TAUCHEN MIT DEN HAIEN

DIVING WITH THE SHARKS

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  21. April, 2005

  Der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) ist der letzte in der Nahrungskette. Auf Grund der Häufigkeit, mit der er derzeit gefangen wird, wird es ihn bald nicht mehr geben. Ich wollte ihn sehen, bevor er aus dem Weltbild verschwunden ist.

 Es gibt nur vier Orte auf dieser Welt, wo Tauchgänge mit dem weißen Hai angeboten werden. Südafrika, West-Australien, die Farallon Islands vor Kalifornien und Guadelupe (Mexico). Da Südafrika meine Heimat ist, und die Wahrscheinlichkeit, den weißen Hai dort zu treffen, sehr hoch ist und die Kosten noch erschwinglich sind, war die  Wahl nicht besonders schwer, wo ich dieses Abenteuer angehen werde.

 Südafrika ist weit weg von Österreich und es rechnet sich nicht, nur für diesen Tauchgang dorthin zu fliegen. Ich wollte meiner Frau immer schon das Land zeigen, in dem ich aufgewachsen bin, also kombinierte ich einen 3-wöchigen Urlaub und diesen Tauchgang. Die beste Zeit für den weißen Hai sind die Wintermonate, nicht wirklich die ideale Zeit für einen Urlaub und Rundreise. Die Entscheidung für April war ein Kompromiss (hoffentlich hält das Wetter und hoffentlich sind die Haie schon da).

  Die Reise ist schon von Johannesburg, nach Kruger National Park und Garden Route gegangen und endlich sind wir in Hermanus angekommen, der Ausgangspunkt für den Tauchgang mit dem weißen Hai. Ab der Graden Route buchten wir keine Übernächtigungen vor und versuchten unser Glück bei den zahlreichen Bed & Breakfasts (eine Art von Privatpensionen). In Hermanus landeten wir durch reinen Zufall bei einem Kärntner, der sich dort niedergelassen hat (www.avalononsea.co.za ). Meine Frau war sofort glücklich dass sie wieder mit jemand auf Deutsch reden konnte (Anmerkung Elfi: so ein Blödsinn, was Arno da schreibt). Der Blick übers Meer war sehenswert.

  In Gansbaai, dem Mekka der organisierten Tauchgänge für den weißen Hai, gibt es ungefähr 7 genehmigte Anbieter. Alle haben Niederlassungen in Hermanus, welches die größere Ortschaft ist. Meine Wahl fiel auf Lady Diver (www.divelady.co.za ). Mein Bruder hatte mit denen schon getaucht und sie für in Ordnung und seriös befunden.  Der Ausgangsort für die Tauchgänge war Kleinbaai gleich neben Gansbaai. Treffpunkt der Tauchtouristen war das dortige Crew House nahe dem Strand. Mit einiger Verspätung (weil wir auf Leute aus Kapstadt, das ca.200 km entfernt ist, warten mussten) waren wir endlich unterwegs nach Dyer Island (10 Minuten Bootsfahrt), einer teilweise von Forscher bewohnten Insel. Dort war auch unser Treffpunkt mit dem weißen Hai. Unser Boot war ein 8m langes Hochseeangelboot mit doppelten Outboarders, 4 Mann Besatzung und 10 Taucher. 300m Südlich von Dyer ist eine kleine felsige Insel (ca.150mx30m) und diese ist das Zuhause zu ca. 40 000 Cape Fur Seals (Robben), dem Grundnahrungsmittel des weißen Hais. Der Kanal zwischen den beiden Inseln ist die berüchtigte Sharks Alley. Unterwegs erzählte uns Johann (der Diveguide des Tages) uns etwas vom weißen Hai und den Tagesablauf.

 

 Anschließend wurde das nächste Märchen zerstört. Es ist kein richtiger Tauchgang mit allem Drum und Dran, sondern man beobachtet die Haie aus einem Käfig knapp unter der Wasseroberfläche. Von Boot aus sieht man die Haie viel früher als Unterwasser und es ist die Pflicht des Diveguides, zu sagen ob der Hai jetzt beim Köder (engl.“bait“) oder bei der Attrappe (ein “decoy“ namens Lucky 7, die vorige 6 waren zerstört) ist. Mit dem Kopf unter Wasser hört man seine Stimme nicht. Man könnte einen Regler mit Oberflächenversorgung verwenden, aber wir wurden gewarnt, dass der Lärm der ausgeatmeten Luft die Haie stört und sie könnten fern bleiben. Der Hai ist ein wildes Tier und deshalb kann niemand eine Sichtung garantieren. Das Boot neben dir kann die ganze Zeit Haibesuch haben und du darfst zuschauen...oder umgekehrt. Deshalb wird der Guide versuchen, alle Leute so schnell wie möglich durch den Käfig zu schleusen, sobald ein Hai gesichtet wird, so dass ihn jeder zu Gesicht bekommt. Vier Leute passen maximal in den Käfig und wir waren zehn am Boot. Jede Gruppe hatte pro Durchgang ca. 10 Minuten Zeit.

 Wir kamen etwas verspätet bei Sharks Alley an und sahen, dass dort schon eine Reihe von Schiffen ankerten und warteten. Etwas frustriert ankerten wir auf einem Platz außerhalb des Alley und warteten. Es war noch der Beginn der Shark Watching Saison, die Haie waren die Boote noch nicht gewohnt und deshalb noch ziemlich scheu.

  Es wird geschätzt dass zu jeder Zeit zwischen 70 und 100 Weiße Haie in der Umgebung Dyer Island sind. Die meisten werden nur an 2 oder 3 Tagen gesehen und dann sind wieder andere da. Die Verteilung von männlich und weiblich ist hier gleichmäßig. Die größeren Tiere sind weiblich, wie es bei den Haien so ist.

 Der Stahlkäfig war schon von Bord und neben der Bordwand befestigt, Ein Schrei und platsch... vom Nachbar Boot .. 50m entfernt – ein Hai! Sehr frustrierend. Wir warteten schon eine habe Stunde. 10 Minuten später wieder ein Schrei, diesmal von unserem Look-Out (Eddie der Raster-Mann). Wir sahen wie ein Schatten mit etwas weißer Färbung in der Tiefe verschwand. Hektik brach an Bord aus, damit die ersten 3 in den Käfig hineinkommen. Nix mit galant sein und den Frauen den Vortritt überlassen! Und ich war als einer der ersten im Käfig. „Wo ist der Hai?“ „Euer lauter Platsch hat ihm verschreckt!“ Gefolgt von den üblichen magische Worte die man in netter Gesellschaft nicht verwendet.

 Zehn Minuten in Käfig und nur das grüne Wasser mit 5m Sicht. Das Meer ist sehr ruhig (anders als in Juli) aber kalt 16°C. Mir ist es nicht schlecht gegangen: ich hab meinen Trocki mitgehabt, die andern aber nur den 5mm von Schiff. Die Lufttemperatur ist doch etwa 22°C. Der Schrei von Johann; „Bait, left“. Der Hai kommt von unten links auf den Köder zu. Schnell Luft einatmen und hinunter schieben. Ein 2,5m Hai schwamm auf den Köder zu! Täuschend langsam, trotzdem zog Eddie den Köder nicht ganz rechtzeitig weg. Der Köder wurde kleiner und der Hai verschwand recht elegant in die dunkelgrüne Tiefe. Aber er kam immer wieder!

 

  Kurze Zeit danach war die nächste Gruppe in Käfig. Gleichzeitig Haiwechsel und damit unser größter Hai des Tages, ein 3,5m langes Tier. Sehr aktiv: das Boot umkreist, unten durchgetaucht und auf den Köder zu beschleunigt. Mehrmals! Einmal streifte er sogar den Käfig ganz ordentlich: „so kann man auch die Haut von Parasiten befreien“. Und einmal klopfte er mit seinem Schwanz an die Seiten des Käfigs. Den Köder erwischte er aber nicht mehr. Unser Eddie war immer schneller als der Hai! 

 Die dritte Gruppe ging kurz danach in den Käfig und hatte sogar einmal 2 Tiere im Visier, aber keiner war so aktiv wie der 3,5m Kerl (oder doch Weibchen?). Johann hatte seine Pflicht getan, jeder hatte einen Hai gesehen, uns so konnte jede Gruppe beliebig lang im Wasser bleiben, zum Fotographien oder nur um zu schauen.   Die Tiere waren faszinierend! Wenn so ein Hai so knapp am Käfig vorbei schwimmt, ist es eine riesige Überwindung nicht hinaus zu greifen um ihn zu berühren. Er würde erschrecken und dann a) die Tiefe suchen, oder b) in die Hand beißen. Ich glaube nicht, dass man die Hand so schnell wieder in Sicherheit bringen könnte.

 Insgesamt haben wir 5 verschiedene Haie gesehen zwischen 2 und 3,5m, eigentlich alle ziemlich jung. Einige waren scheu einige neugierig und einige aktiv (engl: „Feissty“). Nach drei Stunden machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause und alle waren sehr zufrieden. Als wir wegfuhren nahm das Boot, das den ersten Hai gesichtet hatte, unseren Platz ein, denn außer der einen kurzen Begegnung am Anfang haben sie keine Haie mehr bei ihrem Boot gehabt! Hin und wieder hat man Glück, auch wenn man spät dran ist.

 

 Die Leute auf dem Schiff waren sehr unterschiedlich: Taucher, Nicht-Taucher, 20 jährige Studenten, 60 jährige Pensionistin, Deutsche, Österreicher, Engländer, Schotten. Auf dem Weg zurück zum Hafen fragte die goscherte Engländerin: “das war aufregend. Was tun mir morgen, was noch aufregender ist?“ Viel Gelächter!  

Nach der Heimkehr in den Hafen, dem Kaufen von Souvenirs (DVD vom Fotografen an Bord), dem Abschied von den anderen Tauchern, und dem Wiedersehen mit meiner Frau fuhren wir weiter nach Kapstadt.  

Währen ich auf dem Schiff war, besichtigte sie die Sehenswürdigkeiten von Klein- und Gansbaai. Es gib dort am Danger Point einen modernen Leuchtturm und ein Denkmal. Das Denkmal erinnert an den Untergang der Burckenhead, einem Truppenschiff, das 1852 an die Felsen von Danger Point gelaufen ist. Es waren auch Zivilisten und Familien an Bord. Als das Schiff sank befahl der Kapitän, dass zuerst Frauen und Kinder in die Rettungsboot gehen. So entstand hier der Spruch: „Frauen und Kinder als erste in die Rettungsboote“. Die meisten der Soldaten ertranken. Das Wrack kann man betauchen aber mit Vorsicht. In einem Tauchführer steht: „man sollte keinen Deco-Stop riskieren, und an der Oberflache sofort ins Boot steigen. Durch die Nähe von Dyer Island gibt es große weiße Haie hier und die greifen bekanntlich ihre Beute an der Oberfläche an.“

 Nachdem in jüngster Zeit Schwimmer und Surfer durch Haie angriffen wurden in False Bay, möchten einige Leute den Bestand der weißen Haie dort einschränken (engl: „Culling“). Ein Unternehmer dort wurde auch beschuldigt, dass seine Köder die Haie an die Strände locken. So ein Blödsinn! Südafrika schützt seit Jahren den weißen Hai und hoffentlich bleib es auch so.

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Last update: 10.10.2007

© 2005 Arno Hochreiter